Riga – Jugendstil, Gerichte aus Russland und viele Blumen
Im Herbst 2006 wollten wir für ein paar Tage einen Städtetrip machen. Eine uns noch nicht bekannte Stadt in Europa und nicht ganz so kostspielig lauteten unsere Reiserichtlinien. Wir entschieden uns für Riga. Für uns bis dato eine unbekannte Stadt in einem unbekannten Land. Weder Freunde noch Bekannte konnten uns etwas über Lettland berichten. So flogen wir für ein paar Tage nach Riga. Wir entschieden uns für ein Hotel außerhalb der Altstadt von Riga. (An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass man sich auf keinen Fall von dem tristen, osteuropäischen Charme der Randbezirke abschrecken lassen sollte. Unser Hotel war neu, sauber und alle dortigen Angestellten sehr freundlich. Zudem bieten die Hochhäuser tolle Photomotive, im Kontrast zu den Jugendstilbauten der Altstadt – dazu später mehr.)
Ein kleiner Bus fährt für wenig Geld oft und regelmäßig in die Altstadt.
Eben mit einem solchen Bus fuhren wir täglich in die Altstadt und staunten schon beim ersten Anblick nicht schlecht. Überall, ja wirklich überall, standen Frauen an kleinen und großen Tischen mit Eimer voller Blumen. Hunderte verschieden bunte Blumen und Sträuße in der ganzen Stadt. Leider kann man nur sehr schwerlich einen Blumenstrauß, noch dazu im Vergleich zu unseren Floristenpreisen sehr günstigen, mit nach Hause nehmen. Jedoch gegen einen frischen Blumenstrauß im Hotelzimmer spricht ja auch nichts! Und falls Sie irgendwo in Riga privat eingeladen werden: Immer Blumen mitbringen. Das gehört sich so im lettischen Raum.
Da Riga nicht sehr groß ist (Riga ist mit rund 720.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums.), und gerade wenn man ein paart Tage Zeit hat, lohnt es sich, sich von der Stadt treiben zu lassen.
Die schönsten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten befinden sich hauptsächlich im historischen Kern der Stadt, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Besonders empfehlenswert sind der Dom zu Riga (Der Dom ist die größte Kirche des Baltikums und bietet insgesamt Platz für über 5.000 Personen. Die dortige Orgel, die 1884 fertig gestellt wurde, war damals die größte der Welt.), das Schwarzhäupterhaus, die Orthodoxe Kathedrale, der Pulverturm, das Rigaer Schloss sowie Rathaus und das Freiheitsdenkmal. Alle kann man zu Fuß erreichen und es lohnt sich dabei durch die kleinen Gassen und Straßen zu laufen. Es gibt viele kleine Geschäfte, die viel Selbstgemachtes verkaufen.
Besonders gut gefallen hat und außerdem das Latvian National Museum of Art. Ein sehr schönes Gebäude (erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts) mit ebenso beeindruckender Kunst (mehr als 50.000 Werke aus dem Baltikum und Kunst aus Russland vom 16. bis 20. Jahrhundert). Und sehr zu empfehlen ist außerdem das kleine Medizinische Museum in der Altstadt. Leider scheint es nicht so sehr gut besucht, was sehr schade ist. Wir bekamen eine kleine exklusive Führung.
Nach all den Sehenswürdigkeiten wird man schnell hungrig. In Riga kann man sehr gut Essen gehen. Besonders die deftige Russische Küche ist sehr häufig vertreten und in vielen Restaurants schmeckt es so als stünde eine russische Oma hinter dem Herd und würde mit viel Liebe für ihre Großfamilie kochen.
Die Neustadt (man sollte sich weniger von dem Namen in die Irre führen lassen, denn wirkliche Neubauten findet man auch dort weniger) gibt es die zahlreichen, wunderschönen Jugendstilbauten. Ein bisschen erinnert die Architektur an Wien oder Paris. Selbst wer nicht mit einer Spiegelreflexkamera fotografiert (sehr zu empfehlen: ein Schwarz/Weiß- Film), wird erstaunt darüber sein, wie wunderschön die Motive an den Fassaden und die postkartengeleichen Ergebnisse sein werden.
Einen Tag verbrachten wir nicht in Riga. Wir fuhren mit der Bahn – gut bestückt mit alten, rustikalen Holzbänken – an den 10 Kilometer südöstlich von Riga an der Ostsee gelegene Kurort Jurmala (übersetz bedeutet es „Strand“). Dort erwartet einen der über 30 km lange, weiße und breite Sandstrand. Zum Bild von Jurmala gehören die vielen schönen Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Sommerhäuser aus Holz, die damals den „Reichen und Schönen“ aus Riga zur Erholung dienten.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wir waren im Oktober in Riga, die Sonne schien oft, aber es empfiehlt sich dennoch lange Unterhosen und dicke Wollpullis mitzunehmen – sicher ist sicher!
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